PKV verliert wichtige Kunden – Hamburger Modell bringt PKV ins Wanken

Ein Bericht von rentenbescheid24.de

Die privaten Krankenkassen schlagen Alarm und wittern politische Einflussnahme gegen ihr Geschäftsmodell. Grund: Das Hamburger Modell gibt neuen Beamten verbesserte Möglichkeiten sich in der freiwilligen Krankenversicherung zu versichern. Andere Bundesländer wollen nachziehen!

Die PKV verliert Kunden in einem ihr angestammten Geschäftsbereich. Die Beamten sind ein Klientel, welches sich im klassischen Sinne meistens privat krankenversichert. Neuerdings können sie sich auch freiwillig gesetzlich versichern. Änderungen in Beihilfeverordnungen einzelner Bundesländer macht es möglich. Die PKV-Wirtschaft , allen voran der PKV-Spitzenverband- wettert gegen die politische Ineinflussnahme der Rot-Grünen oder Rot-Rot-Grünen Bundesländer. Die Bürgerversicherung drohe?!

 

PKV per se nicht überlebensfähig

Liegen die eigentlichen Probleme der PKV in Wirklichkeit wo anders, wie zum Beispiel Claus-Dieter Gorr, Geschäftsführer der PremiumCircle Deutschland GmbH sagt. Er ist der Auffassung, dass die PKV-Branche „per se“ nicht überlebensfähig sei.

 

PKV verliert Kunden: Das steckt hinter dem Hamburger Modell

Nach Hamburg wird auch Thüringen, Brandenburg und Bremen ab 2020 einen hälftigen Zuschuss zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zahlen. Berlin überlegt ebenfalls sich anzuschließen.

Nach dem sogenannten „ Hamburger Modell“ können Beamte ab dem 01.08.2018 in Hamburg ein pauschales Beihilfemodell wählen, über das sie auch bei freiwilliger Mitgliedschaft in der GKV Beihilfen erhalten können.

 

Die Hamburger Beamten können jetzt zwischen 2 Möglichkeiten wählen:

  • der pauschalen Beihilfe, hier werden pauschal 50 % der Kosten einer Krankenversicherung übernommen, egal ob ein Beamter in der PKV oder in der GKV versichert ist,
  • der klassischen Beihilfe, hier trägt die Beihilfe einen großen Teil der Krankheitskosten und der Rest muss selbst bezahlt werden, das wird über einen Beamtentarif der PKV abgesichert.

 

Allerdings besteht die Wahlmöglichkeit jeweils nur einmalig und ist unwiderruflich. Ein Wechsel zwischen den Modellen ist nicht möglich. Das Angebot in Hamburg gilt momentan nur für Neu-Beamte und solche, die bereits freiwillig in der GKV versichert sind.

PKV verliert Kunden: Berlin und Bremen ziehen nach

In Berlin wolle man die derzeitige Ungleichbehandlung mit einem pauschalen Zuschuss verändern und damit eine echte Wahlfreiheit einführen. Laut der Gesundheitssenatorin Kolat ( SPD ) ist das für Beamte der unteren Besoldungsgruppen ein wirklicher Vorteil, denn im Rentenfall wären die Beiträge zur PKV für diesen Personenkreis ein großes Problem aufgrund des Verhältnisses von Beitrag und der kleinen Rente.

 

PKV verliert Kunden: Beifall von K.Lauterbach und den Grünen

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Karl Lauterbach befürwortet die Vorstöße der Bundesländer. Aus seiner Sicht würden sich das sehr viele Beamte wünschen und die Schritte zur Wahlfreiheit wären zeitgemäß, da die steigenden Kosten der PKV für die unteren Besoldungsgruppen ein großes Problem sind. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag Frau Klein-Schmeink zeigte sich ebenfalls über diese Entwicklung erfreut. Aus ihrer Sicht beruhe das Geschäftsmodell der PKV zur Hälfte darauf, dass der Beamte keine andere Wahl habe sich in der PKV zu versichern, da er sonst keine Beteiligung an den Beiträgen durch den Dienstherrn erhalte. Weiterhin entlaste die Wahlfreiheit der Beamten zukünftig auch den Steuerzahler, denn die Beihilfe belaste die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen stark.

 

PKV verliert Kunden: Was sagt der PKV-Verband dazu

Der Verband der privaten Krankenversicherungen sieht durch die Realisierung des Hamburger Modells der von der SPD, den Linken und oder den Grünen gestellten Regierungen ausschließlich politische Motive. Die Beamten sollen mit dem Zuschuss der Arbeitgeber zum Wechsel in die GKV motiviert werden. Damit würde außerdem das Ziel, eine Bürgerversicherung einzuführen, weiter gefestigt werden. Der Verband der Beamten warnte die Beamten davor, sich für die GKV zu entscheiden. Sie hätten für ihre Restkostenversicherung in der PKV ein geringeres Beitragsaufkommen und beim Wechsel in ein anderes Bundesland bestünde das Risiko, alles selbst zu zahlen.

 

PKV verliert Kunden

Zu den bisherigen Erfahrungen aus Hamburg bestehen widersprüchliche Aussagen, allerdings liegt das Einführungsdatum dieser Regelung erst ein gutes halbes Jahr zurück. Da ist im Moment eine aussagefähige Analyse noch nicht möglich. Die Bestandskunden unter den Beamten wird die PKV mit den neuen Modellen nicht zwingend verlieren. Aber die Gründe für den Alarm, den der PKV-Verband schlägt liegen tiefer. Demografie und Niedrigzins, Intransparenz der Tarife, hohe monatliche Tarife und die Konkurrenz der gesetzlichen Krankenkassen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird.

 


Sie möchten erfahren, ob und wie Sie in die gesetzliche Kranken­versicher­ung wechseln können?

Unsere Anwälte und gerichtlich zugelassene Rentenberater beraten Sie!

Jetzt in die GKV wechseln

 


 

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Modell Private Krankenversicherung vor dem Aus?

 Kosten­explosion der PKV-Prämien für 2019

Beitragsschock – 42,5 Prozent Erhöhung in der Pflegeversicherung

 Vorsicht Falle: Bei Wechsel über den Weg der Familienversicherung

Drei Vorschläge zur Änderung der Beitragspflicht bei Betriebsrenten

Sind Beitragserhöhungen der privaten Krankenkassen immer rechtens?

Der Basis­tarif der privaten Kranken­versicherung – Eine Armutsfalle?